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Wir dürfen das SPIN-Logo als Anerkennung für qualitätsgesichterte innovative Arbeit von Frau Mag. Sigrun Schrittwieser-Bürgl mit dem Sprachenprojekt „Mehrsprachigkeitsunterricht an der Schule nach EuroCom“ führen. 

Mehrsprachigkeitsunterricht an der Schule nach EuroCom

Meine Intention ist es EuroCom als Komplement zum konventionellen Sprachlernangebot und als eine das Lernen erleichternde Reform des Sprachunterrichts einerseits schulübergreifend bekannt zu machen und andererseits den SchülerInnen der HLW und den StudentInnen des Kollegs im Rahmen der Begabtenförderung anzubieten und weiterzuentwickeln.

Zur Methode:

Im konventionellen Sprachunterricht vermitteln wir oft den Eindruck, die Schüler beginnen die Sprache bei Null und stehen als völlige Nichtwisser da. EuroCom beginnt stattdessen mit dem Aufweisen dessen, was die Lerner an einem einfachen Gebrauchstext in der neuen Sprache schon alles entziffern können und aktiviert vorhandene aber ungenutzte Kompetenzen.

In Absetzung vom konventionellen Anfangsunterricht, in dem es bei sprachlichen Leistungen meist um richtig oder falsch geht und alles, was nicht vollständig richtig ist, als wertlos gebrandmarkt wird, geht es bei EuroCom prinzipiell um das Erkennen des generellen Sinnes eines Textes.

EuroCom organisiert die Bereiche, in denen man Bekanntes in jeder neuen Sprache, sofern sie zur gleichen Sprachfamilie gehört (oder typologisch genügend nahe ist), auffinden kann, in sieben Bereiche, die 7 Siebe genannt.

In sieben Aussiebevorgängen schöpft der Lerner - wie der Goldsucher, der aus dem Wasser das Gold heraussiebt - aus der neuen Sprache alles das heraus, was ihm bereits gehört, weil er es aus seiner Sprache schon zu eigen hat. Nachdem die Sprache sieben Mal auf Bekanntes hin durchgesiebt ist, stellt man fest, dass ein Zeitungstext in der neuen Sprache (z. B. zu auswärtiger Politik) in seinen Hauptinformationen leicht zugänglich ist und dass man davon ausgehend den Sinn der übrigen Textteile mit gutem Annäherungswert verstehen kann.

Mit dem ersten Sieb schöpft man aus der neuen Sprache den Internationalen Wortschatz [IW].

Mit dem zweiten Sieb schöpft man zusätzlich den in der romanischen Sprachfamilie spezifisch gemeinsamen Wortschatz ab: den Panromanischen Wortschatz [PW]. Kenntnis schon einer einzigen romanischen ist ein Gewinn für die anderen romanischen Sprachen. Etwa 500 Wörter aus der gemeinsamen lateinischen Vergangenheit sind noch heute im Elementarwortschatz der meisten romanischen Sprachen vorhanden.


Erst mit dem dritten Sieb werden die lexikalischen Verwandtschaften dann strategisch erschöpfend genutzt: durch das Erkennen der Lautentsprechungen [LE]. EuroCom stellt dem Lerner im dritten Sieb alle wesentlichen Lautentsprechungsformeln zur Verfügung, so dass er eine Wortverwandtschaft und damit die Bedeutung leicht erkennt.

Das vierte Sieb bezieht sich auf die Graphien und Aussprachen [GA]. Die romanischen Sprachen benutzen zwar für die meisten Laute die gleichen Buchstaben zur Schreibung, aber einzelne orthographische Lösungen sind jeweils verschieden und behindern das Erkennen von Wort- und Sinnverwandtschaft. EuroCom macht diese Unterschiede in einer Übersicht systematisch bewusst, zeigt die Logik der orthographischen Konvention, die sich jede Sprache gegeben hat, und entschärft damit die Stolperstellen.

Das fünfte Sieb nutzt den Vorteil, dass die neun Kernsatztypen [KS] in allen romanischen Sprachen strukturell identisch sind. Wer sich dieser Tatsache bewusst ist, kann sogleich ermessen, wie sehr ihm die syntaktischen Kenntnisse aus der einen romanischen Sprache für alle anderen hilfreich sein werden, um die Positionen von Artikel, Nomen, Adjektiven, Verben, Konjunktionen usw. zu orten.

Mit dem sechsten Sieb stellt EuroCom für die Morphosyntax [MO] die Basisformeln zur Verfügung, mit denen die in den romanischen Sprachen unterschiedlichen grammatischen Wörter oder Wortendungen auf ihren gemeinsamen Nenner gebracht werden («Woran erkennt man eine 1. Pers. Plur. bei romanischen Verben?»). Damit wird für die Lektüre das grammatische Satzgerüst leicht erschließbar.


Das siebte Sieb schließlich, die Listen der Präfixe und Suffixe [FX], erlaubt, den Sinn der zusammengesetzten Wörter zu erschließen, indem die Zusätze von der Wurzel abgetrennt werden. Man braucht sich nur eine kleine, überschaubare Zahl lateinischer und griechischer Prä- und Suffixe in ihrer Bedeutung ins Gedächtnis zurückzurufen, um damit ein Vielfaches an Wörtern erschließen zu können.

Damit hat der Lerner in sieben Aussiebevorgängen festgestellt, welch ein umfangreiches Repertoire an lexikalisch und grammatisch Bekanntem ihm zur Verfügung steht oder durch Formeln von hoher Ergiebigkeit verfügbar gemacht wird. Dies nicht nur für eine weitere Sprache, sondern gleich für acht weitere Sprachen. Was EuroCom hier leistet ist strategisch entscheidend: es findet nicht ein mühsames Fortschreiten von einer Sprache zu einer weiteren und dann zur nächsten statt, sondern mit einem einzigen Akt wird das Tor zu allen verwandten Sprachen aufgestoßen. Es ist damit auch gar nicht mehr vorteilhaft oder ökonomisch zwingend, sich in seinem Vielsprachigkeitsziel einzuschränken. Man würde dadurch nur Vorteile achtlos vergeuden.

Die Methode beschränkt sich auf die Förderung der Lesefertigkeit und der Texterschließung in der Fremdsprache und darf somit aus meiner Sicht  wirklich als eine wertvolle Ergänzung in diesem Bereich des Fremdsprachenunterrichts verstanden werden, sollte allerdings die Wichtigkeit der mündlichen Sprachkompetenz in keinster Weise in den Hintergrund bzw. in Frage stellen. Dies gilt es den SchülerInnen auch zu vermitteln, wenn man die Methode auch als „Selbstlernmethode“ anbietet.

Eines meiner grundsätzlichen Anliegen ist es allerdings den SchülerInnen Ängste zu nehmen und Mut zu machen „Neues“ auszuprobieren.

EuroCom widerlegt beispielsweise die <5 Ängste, die im Zusammenhang mit Sprachenlernen immer wieder zu Tage treten wie folgt:

In den Ländern, in denen man nicht von Kind auf an Mehrsprachigkeit gewöhnt ist, sind es speziell fünf Angstvorstellungen bzw. ungünstige motivationale Überzeugungen, die den leichten Zugang zu weiteren Sprachen behindern. Diese gilt es bewusst zu machen und zu entschärfen oder - soweit es sich um reine Schutzbehauptungen handelt - zu widerlegen.

1. «Ich bin zu alt. Nur als Kind kann man eine Sprache lernen.» Das ist eine Unterschätzung der Lernfähigkeit des Erwachsenen. Im Gegenteil gilt es sich bewusst zu machen, dass die Vorteile, die ein Kind mitbringt (viel Zeit, viel spielerische Energie, um sich mit der zu lernenden Sprache zu identifizieren) von den Vorteilen, die ein Erwachsener mitbringt mindestens aufgewogen werden: ein Erwachsener erreicht durch seinen sprachlichen Erfahrungsschatz und sein Wissen eine schnellere Lernprogression als ein Kind, insbesondere wenn er sich intensiv und motiviert einer Sprache zuwendet. Auch das korrekte Hinhören und das korrekte Aussprechen ist beim Erwachsenen eine Sache der Einstellung, der Bereitschaft (und des Selbstvertrauens) zur Einfügung in eine andere sprachliche Umgebung.

2. «Ich bin sprachunbegabt.» Es gibt keine «Sprachunbegabung» (außer bei Störungen von Gehirnfunktionen): jeder Mensch hat seine Muttersprache gelernt, ebenso kann er weitere Sprachen lernen. Es wird nur immer vergessen, dass der Erwerb der Muttersprache ein komplexer und langjähriger Prozess gewesen ist und dass im Vergleich dazu der Erwerb weiterer Sprachen manchmal geradezu rapide vonstatten geht. Was sich hinter der Ausrede «Unbegabtheit» verbirgt, sind meist eine ungünstige Motivationslage und mangelnde Bereitschaft oder mangelnder Mut, sich einer neuen Situation anzupassen.

3. «Ich komme durcheinander, wenn ich noch eine ähnliche Sprache dazulerne. Ich habe Angst vorm Mischen.» Hinter dieser negativen Interpretation des Übergangs von einer Sprache zu einer verwandten Sprache scheint ein unreflektiertes «Hohlraummodell» zu stehen: im Kopf sei kein Platz für viele Sprachen. Doch wie bei anderen Fähigkeiten des Menschen gilt natürlich auch bei Sprachen: Je mehr Sprachen man gelernt hat, um so leichter lernt man weitere.


Was das Vermischen von Sprachen betrifft, muss man sich immer wieder bewusst machen, welcher Vorteil es ist, Wörter durch ihre Ähnlichkeit mit denen einer anderen Sprache sofort erkennen und sich merken zu können, ohne einen Lernaufwand betreiben zu müssen. Wenn man sich überlegt, wie erschwerend es sein muss, unsere europäischen Sprachen mit Sprachen wie Arabisch oder Japanisch nicht «mischen» zu können, weil kaum Wortverwandtschaftsbrücken bestehen, wird man dankbar das «Vermischen» nutzen und die anfängliche Ungewissheit über die exakte Wortform gern in Kauf nehmen. Man kann sich vertrauensvoll, in der Art eines vorweggenommenen Erfolgserlebnisses, darauf verlassen, dass man im Laufe des immer intensiveren Kontakts mit der neuen Sprache automatisch ein ausgeprägtes Gefühl dafür entwickelt, welche Wörter, Strukturen und Laute zur jeweiligen Sprache gehören. Noch einmal deutlich gesagt: Dass man sich zu Beginn des Lernens einer anderen Sprache mit den Wörtern einer anderen verwandten Sprache aushelfen kann, ist nicht etwa eine Erschwernis, sondern eine große Erleichterung.

4. «Wenn ich eine neue Sprache lerne, kann ich meine andere(n) Fremdsprache(n) nicht mehr.» Beim Erlernen einer neuen Sprache stellt man sich gänzlich auf das neue Medium ein, insbesondere wenn man sich im Lande selbst befindet. Es ist normal, dass man nicht ad hoc in eine früher gelernte Sprache wechseln kann, wenn man sich gerade intensiv in eine neue Sprache einarbeitet. Wer von vornherein weiß, dass dieser Effekt eintritt, kann sich entspannt verhalten, und nach wenigen Minuten wird die stockende Unterhaltung wieder flüssiger, und bald fühlt man sich in der früher gelernten Sprache wieder zu Hause. Dies gilt auch für länger nicht benutzte Sprachen. Sie werden vom Gehirn gewissermaßen «in die Reserve gesteckt». Es bedarf nur des richtigen Stimulus, um sie dort wieder hervorzuholen.

Wichtig ist, dass man sich nicht selbst durch Angst blockiert. Man muss sich beim Wiederkontakt mit der Sprache einen Vertrauensvorschuss geben - in der Überzeugung, dass die einmal erworbenen sprachlichen Fähigkeiten im lebendigen Gesprächskontext oder im intensiven Lesekontext bald wieder zur Verfügung stehen.

5. «Ich traue mich nicht, eine Sprache zu sprechen, solange ich sie nicht korrekt kann.» Wir sind damit beim fünften Bereich von Ängsten, die das Sprachenlernen beeinträchtigen: der Perfektionswahn. Die Vorstellung, eine Sprache könne nur genutzt werden, wenn sie absolut korrekt gesprochen und geschrieben wird, blockiert jeden Versuch der spielerischen und versuchsweisen Anwendung. Die Schule hat uns mit rot angestrichenen Fehlern, Noten und korrigierenden Zurechtweisungen (nicht Ermunterungen) einen Selbstzensurmodus eingeimpft, von dem man sich mit aller Kraft befreien muss, um locker und mutig in neue Sprachen einzutreten. In der Schule wird Sprachverwendung von Zensuren gelenkt und damit Fehlervermeidung zum Überlebensprinzip. Richtet man hingegen konkreten Sprachgebrauch auf kommunikative Kompetenz aus, dann ist jede noch so fehlerhafte Benutzung einer Sprache effektiv, sofern der Gesprächspartner versteht oder durch Nachfragen zum Verstehen kommt.

Der Mut zu fehlerhaftem Reden und der Erwerb von Strategien zur graduellen Autokorrektion ist der richtige Weg, um von einer geringen aktiven Beherrschung aus eine immer größere Kompetenz zu erreichen.

Machen wir uns bewusst, dass wir auch unsere Muttersprache das ganze Leben hindurch perfektionieren, denn dann können wir es uns zugestehen, andere Sprachen versuchsweise und zunächst stärker, später weniger fehlerhaft zu sprechen. Verbesserung ist immer möglich und nötig - das muss niemanden abschrecken, überhaupt erst einmal anzufangen.

In diesem Sinne verstehe ich das Projekt als MUTMACH – Projekt, das „was kann ich schon“ und nicht „das kann ich noch nicht“ in den Vordergrund stellt,  sämtliche Ängste das Sprachenlernen betreffend widerlegt und Mut machen soll  „Neues“ auszuprobieren

Mag. Sigrun Schrittwieser-Bürgl

Weiterführende Links:

Detailierte Projektbeschreibung unter: www.oesz.at (SPIN-Innovationsdatenbank Schule)

Link zu EuroCom: www.eurocomrom.de

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